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Philadelphia

Wo bin ich eigentlich? Ich mache meine Augen auf uns sehe mich ein wenig um. Irgendwie kommt mir alles so bekannt vor und andererseits so fremd. Trugbild oder Wirklichkeit?

Zunächst fällt auf, dass in alter Manier an einigen Häusern Bibelsprüche und Segenswünsche zu lesen sind. „Wenn Gott, der Herr, nicht das Haus baut, dann bauen umsonst ....“ oder „An Gottes Segen ist alles gelegen“ oder „Gebaut 1832 - Gottlieb Wünsche und Dorothea Sage“. Weise Bemerkungen, finde ich.

Vielleicht liegen solche Sprüche nahe, wenn schon der ganze Ort „Philadelphia“ heißt. Ursprünglich hatte er einen Namen, der auf eine Flurbezeichnung hinwies. Dann wurde er geändert, als ein Auswanderer aus Amerika schrieb: ich wohne jetzt in Philadelphia - die Amerikaner sagen „City of Brotherly Love“. Im Internet zu lesen: City of Brotherly Love genannt, was von einer Übersetzung des griechischen Namens Philadelphia herrührt (φιλíα philia ‚Liebe‘ und ἀδελφός adelphos ‚Bruder, Bruderliebe‘). Eine mutige Entscheidung, die eine christliche Lebensführung einfordert!

Da kommt mir der Verdacht, dass ich wirklich nicht an einem normalen Ort bin mit der üblichen Zusammensetzung von Einwohnern. Aus der Entwicklungsgeschichte des Ortes habe ich dann auch vernommen, dass sich hier vor langer Zeit Menschen zusammen gefunden haben, die Gottes Geschichte mit ihnen erst nehmen wollen. Ihr Motto: Gott liebt uns und wir geben seine Liebe an unsere Mitmenschen weiter.

Mir fallen auch so viele Zitate, Bemerkungen, Lieder, Geschichten ein.

„Gott liebt diese Welt, und wir sind sein eigen“

„Liebe ist nicht nur ein Wort, Liebe, das sind Worte und Taten“

„Lasst uns ihn lieben, denn er hat uns zuerst geliebt“

„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab“

„Make love , no war!“

„Nun bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, aber die Liebe ist die größte unter ihnen"

"All you need is love"

„Kann denn Liebe Sünde sein?“

Halt, geht da nicht etwas durcheinander? Ist Liebe gleich Liebe oder gibt es da doch graduelle Unterschiede? Vielleicht? Aber mir kommt es so vor, dass Menschen sich darüber Gedanken machen, um am Ende zu sagen. Liebe ja, aber nicht zu zwielichtigen Personen, nicht zu Menschen, die ich nicht kenne . . . und vor allem nicht zu Tieren!

Menschen sortieren, doch Gottes Liebe gilt allen Kreaturen.

Da bin ich natürlich neugierig, wie „Liebe“ in diesem Ort Philadelphia aussieht.

Ich habe die Gelegenheit, mit verschiedenen Bewohnern zu sprechen und sie zu befragen.

Ich staunte nicht schlecht, als ich hörte, dass das Leben miteinander in Eintracht und Liebe ganz gut gelingt, wenn alle tatsächlich Gott „und seine große Wundertat“ in den Mittelpunkt ihres Alltags stellen. Nur so nebenbei: ihr Sportverein heißt „Concordia“.

Man berichtete mir, dass in Versammlungen immer wieder hervorgehoben wird, dass Gott sagt „Ich lebe und ihr sollt auch leben“ und er alles daran setzt, dass uns das gelingt. Aus dem Paradies sind wir zwar vertrieben, aber am Ende wird uns durch Jesus Christus doch das Ewige Leben geschenkt.

Philadelphia - ist das nicht ein liebenswürdiger Ort, in dem man gern wohnen möchte?

Brennend interessierte mich die Frage, was die Einwohner mit den Zuwanderern mache. Die Asyl- und Flüchtlingsfrage sei doch bekannt.

Sie sagten mir, dass es ihnen zu schäbig sei, Menschen unter menschenunwürdigen Bedingungen zu beherbergen. Ausgrenzung und Abgrenzung sei ihnen ungeheuerlich. In alter christlicher Tradition decken sie zu Mittag und den anderen Mahlzeiten immer ein Gedeck zusätzlich. Wenn sie dann das Tischgebet sprechen „Komm, Herr Jesus, sei du unser Gast . . .“, dann ist das wortwörtlich so gemeint. Und wenn sie bei den vielen „Gästen“, die zu ihnen kommen, möglicherweise an Lagerbedingungen denken würden, fiele ihnen die ganze Unmenschlichkeit des Dritten Reiches ein.

Tatsächlich: ich sah, dass sie in Philadelphia wie in einer großen Völkerfamilie zusammenlebte. Vielleicht nicht alle, aber viele waren vertreten mit unterschiedlicher Hautfarbe, unterschiedlicher Religiosität. Sie sprechen alle ihre eigene Sprache und verstehen sich doch „von Herzen“.

Philadelphia: Realität? Utopia? Oder doch eine Gelegenheit?

Vor allem in den USA gibt es Gemeinschaften, die sich ganz streng an die Vorschriften der Bibel halten. Die Hutterer und die Amishen sind dafür bekannt. Sie leben zwar "wie im Mittelalter", leiden nicht unter der heutigen Zivilisation, dem "Fortschritt", dafür aber in christlicher Harmonie. Wie weit sind wir im sogenannten "christlichen Abendland" inzwischen gesunken?

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